Wie viele Kartons auf eine Palette passen, entscheidet über die Zahl der benötigten Paletten, Stellplätze und letztlich Fahrzeuge. Wer das vorab durchrechnet, vermeidet Überraschungen beim Verladen und plant Lagerflächen realistischer. Dieser Ratgeber zeigt den Rechenweg Schritt für Schritt.
Warum die Kartonanzahl pro Palette wichtig ist
Für Versandteams und Lagerlogistik ist die Kartonanzahl je Palette eine zentrale Planungsgröße. Sie bestimmt:
- wie viele Paletten für einen Auftrag benötigt werden,
- wie viele Stellplätze im LKW belegt werden,
- wie effizient Regal- und Bodenflächen genutzt werden.
Eine zu optimistische Schätzung führt zu fehlenden Stellplätzen, eine zu vorsichtige zu unnötig vielen Transporten. Schon ein Karton mehr pro Lage kann bei großen Mengen mehrere Paletten einsparen.
Die wichtigsten Einflussfaktoren
- Kartonmaße: Länge, Breite und Höhe des einzelnen Kartons (Außenmaße)
- Palettenformat: Europalette (1200 × 800 mm), Industriepalette (1200 × 1000 mm), Halbpalette (800 × 600 mm) oder ein eigenes Format
- Maximale Gesamthöhe: Höhe von Palette und Ladung zusammen, abhängig von Transport und Lager
- Gewichtsgrenze: Tragfähigkeit der Palette und Vorgaben des Empfängers
- Überstand: Ob Kartons über den Palettenrand ragen dürfen – meist nicht
Schritt 1: Kartons pro Lage
Zuerst wird ermittelt, wie viele Kartons nebeneinander in eine Lage passen. Je Richtung wird abgerundet, denn ein angefangener Karton passt nicht mehr in die Reihe:
Kartons pro Lage = abgerundet(Palettenlänge ÷ Kartonlänge) × abgerundet(Palettenbreite ÷ Kartonbreite)
Das Ergebnis wird auch für den um 90° gedrehten Karton berechnet. Der bessere Wert gewinnt.
Schritt 2: Anzahl der Lagen
Lagen = abgerundet((maximale Gesamthöhe − Palettenhöhe) ÷ Kartonhöhe)
Die Palettenhöhe beträgt bei der Europalette 14,4 cm und bei der Industriepalette (EPAL 2) rund 16,2 cm. Wer sie vergisst, plant eine Lage zu viel.
Schritt 3: Gewicht prüfen
Kartons nach Gewicht = abgerundet(maximales Ladungsgewicht ÷ Kartongewicht)
Die Kartonzahl pro Palette ist der kleinere Wert aus Fläche × Lagen und Gewichtsgrenze. Begrenzt das Gewicht, ist die oberste Lage nur teilweise gefüllt.
Rechenbeispiel: Europalette
Karton 40 × 30 × 30 cm auf einer Europalette, maximale Gesamthöhe 180 cm:
- längs: 120 ÷ 40 = 3 und 80 ÷ 30 = 2 → 6 Kartons pro Lage
- gedreht: 120 ÷ 30 = 4 und 80 ÷ 40 = 2 → 8 Kartons pro Lage
- Höhe: (180 − 14,4) ÷ 30 = 5,52 → 5 Lagen
- Ergebnis: 8 × 5 = 40 Kartons pro Palette
Bei 1.000 Kartons werden also 25 Paletten benötigt. Wiegt jeder Karton 12 kg und darf die Ladung höchstens 400 kg wiegen, begrenzt das Gewicht auf 33 Kartons. Für 1.000 Kartons sind dann 31 Paletten nötig.
Verbund: mehr Kartons durch gemischte Lagen
Einheitliche Raster sind nicht immer optimal. Im Verbund stehen einige Reihen längs und andere quer. Beispiel mit einem Karton von 35 × 25 cm auf der Europalette:
| Lagenbild | Rechnung | Kartons pro Lage |
|---|---|---|
| alle längs | 3 × 3 | 9 |
| alle quer | 4 × 2 | 8 |
| Verbund | 2 Reihen à 3 (70 cm) + 2 Reihen à 2 gedreht (50 cm) | 10 |
Ein Karton mehr pro Lage bedeutet bei fünf Lagen fünf Kartons mehr pro Palette. Der Kartons-pro-Palette-Rechner prüft solche Verbund-Lagenbilder automatisch und zeigt das Ergebnis als Skizze. Ein weiterer Vorteil des Verbunds: Wird er von Lage zu Lage gewechselt, verzahnen sich die Lagen und die Palette wird stabiler.
Halbpalette und Industriepalette
Derselbe Karton mit 40 × 30 cm ergibt:
- Halbpalette (80 × 60 cm): 2 × 2 = 4 Kartons pro Lage
- Industriepalette (120 × 100 cm): längs 3 × 3 = 9, gedreht 4 × 2 = 8. Im Verbund passen 10: zwei Spuren längs mit je 3 Kartons (60 cm breit) plus eine Spur gedreht mit 4 Kartons (40 cm breit). Bei 180 cm Gesamthöhe ergeben (180 − 16,2) ÷ 30 = 5 Lagen, also 50 Kartons.
Welches Format sich lohnt, hängt davon ab, wie die Palette weiterverladen wird. Im LKW belegt die Industriepalette 0,5 statt 0,4 Lademeter. Den Vergleich der Formate finden Sie unter Palettenarten im Überblick.
Überstand und Stabilität
Rechnerische Modelle gehen von bündigem Sitz ohne Überstand aus. Das ist sinnvoll, denn überstehende Kartons werden beim Verladen leicht beschädigt und erhöhen die belegte Fläche. Die tatsächlich sichere Beladung hängt zusätzlich ab von:
- der Stauchfestigkeit des Kartonmaterials,
- der Verzahnung der Lagen,
- Zwischenlagen, Kantenschutz und Stretchfolie,
- der Ladungssicherung im Fahrzeug.
Eine geometrische Berechnung ersetzt daher keine Prüfung der Packstabilität.
Typische Fehler bei der Berechnung
- Karton- und Palettenmaße in unterschiedlichen Einheiten erfasst
- Palettenhöhe bei der verfügbaren Stapelhöhe nicht abgezogen
- nur eine Ausrichtung geprüft, Verbund nicht in Betracht gezogen
- Gewichtsgrenzen erst nach der Flächenplanung berücksichtigt
- Innenmaße statt Außenmaße des Kartons verwendet
Wie hoch darf eine Palette sein?
Eine gesetzliche Einheitshöhe für beladene Paletten gibt es nicht. In der Praxis begegnen Ihnen vor allem diese Vorgaben:
- Lager: Die Fachhöhe der Regale begrenzt die Palettenhöhe, oft auf Werte zwischen etwa 1,05 m und 1,80 m inklusive Palette.
- Empfänger: Handelsketten geben in ihren Anlieferbedingungen häufig feste Höchstmaße vor.
- Transport: Ohne Stapeln ist die Innenhöhe des Fahrzeugs die Grenze. Soll im LKW doppelstöckig geladen werden, müssen zwei Paletten zusammen unter die Innenhöhe passen.
Der Rechner verwendet 180 cm inklusive Palette als Richtwert, wenn Sie nichts eingeben. Tragen Sie die Vorgabe Ihres Empfängers ein, sobald Sie sie kennen.
Von der Palette zum LKW
Die Kartonzahl je Palette ist nur der erste Schritt. Danach stellt sich die Frage, wie viele Paletten und Lademeter der Auftrag ergibt. Ein Beispiel mit dem Karton 40 × 30 × 30 cm:
- 2.400 Kartons ÷ 40 Kartons pro Palette = 60 Europaletten
- 60 × 0,4 ldm = 24 ldm, also knapp zwei Sattelzüge mit je 33 Paletten
Mit 5 Lagen ist jede Palette 164,4 cm hoch. Zwei davon übereinander wären 3,29 m – zu hoch für jeden Standard-Auflieger. Eine Alternative wären Paletten mit nur 3 Lagen (104,4 cm hoch, 24 Kartons): Dann werden 100 Paletten benötigt, zweilagig gestapelt (2,09 m) belegen sie aber nur 50 Stellplätze, also 20 ldm statt 24 ldm. Ob das erlaubt ist, hängt von Stauchfestigkeit und Ladungssicherung ab (siehe Stapelfaktor bei Lademetern).
Fazit
Die Kartonzahl pro Palette ergibt sich aus Kartons pro Lage, Lagen und Gewichtsgrenze. Prüfen Sie beide Ausrichtungen und gemischte Lagenbilder, ziehen Sie die Palettenhöhe ab und behalten Sie das Gewicht im Blick. Wie viele fertige Paletten anschließend auf den LKW passen, berechnet der LKW-Palettenrechner.